Projekte
Projekt BLINK
BLINK (Bilinguale-bimodale Gruppeninklusion) ist ein Pilotprojekt, das Grundlagen für mehr Gleichstellung von hörbeeinträchtigten Kindern im Bildungsbereich schaffen soll. Es orientiert sich an den Zielen der UNO‑Behindertenrechtskonvention (UNO‑BRK) und setzt sich für mehr Chancengleichheit ein. Im Zentrum stehen dabei nicht Einzelintegration, sondern Gruppeninklusion, verstärkte soziale Interaktionen sowie gemeinsames Lernen von hörbeeinträchtigten und hörenden Kindern.
Das Ziel des Projektes ist es, bilingual‑bimodale Klassen an öffentlichen Schulen zu etablieren, in denen hörbeeinträchtigte und hörende Kinder gemeinsam unterrichtet werden. Vorgesehen sind Klassen mit 4 bis 8 hörbeeinträchtigten Kindern (gehörlos, schwerhörig, CODA’s) und rund 10 hörenden Kindern. Das Lernen erfolgt altersdurchmischt und der Unterricht orientiert sich möglichst nahe am Regelcurriculum des Lehrplans 21.
Der Unterricht wird konsequent in gesprochener Sprache, Schriftsprache und Gebärdensprache geführt. Dabei ist jeweils eine Lehrperson pro Sprache zuständig. Diese klare sprachliche Trennung ermöglicht ein gleichwertiges, bilinguales und bimodales Lernumfeld für alle Kinder.
Das Projekt wird wissenschaftlich begleitet von der HfH, die Projektleitung liegt bei Christoph Siebenhaar. BLINK wurde von der EGBG bewilligt und finanziell unterstützt. Der Projektstart erfolgte im Herbst 2025, der geplante Start des Schulbetriebs ist für den Sommer 2028 vorgesehen.
Begleitet wird das Projekt durch das ZGSZ – Zentrum für Gehör und Sprache in Zürich. Obwohl BLINK an einem konkreten Schulort umgesetzt wird, ist das Konzept so angelegt, dass es auch an anderen Standorten in der Schweiz adaptiert werden kann. Wichtige Kriterien für einen Schulstandort sind eine gute Erreichbarkeit, verfügbare räumliche Kapazitäten sowie die Offenheit der Schulleitung, des Schulteams sowie der Sorgeberechtigten.
Zur Projektbegleitung wurden zwei Gremien geschaffen: Eine Spurgruppe, die gemeinsam mit der Projektleitung zentrale Entscheidungen trifft und sich alle zwei Wochen austauscht, sowie eine Soundingboard-Gruppe, die das Projekt mit Fragen, Rückmeldungen und Impulsen unterstützt und sich einmal jährlich trifft.
Aktuelle Informationen und Updates zum Projekt BLINK werden laufend auf dieser Seite veröffentlicht.
Fragen zum Projekt an: christoph.siebenhaar_at_zgsz.ch
Bilinguales Modell an der SGSZ
Sprache als Schlüssel für Bildung, Identität und Teilhabe
Die Schule für Gehör und Sprache Zürich (SGSZ) entwickelt ihren bimodal-bilingualen Unterricht gezielt weiter. Ausgangspunkt ist die Überzeugung, dass Sprache weit mehr ist als ein Kommunikationsmittel: Sie ist Grundlage für Lernen, Denken und soziale Teilhabe. Deshalb setzt die SGSZ auf einen gezielteren Einsatz der Deutschschweizer Gebärdensprache (DSGS) und der Lautsprache (Deutsch) zu einem integrativen Bildungsansatz, der den unterschiedlichen Voraussetzungen der Schülerinnen und Schüler gerecht werden soll.
Grundlegendes Bildungsziel ist, dass alle Schülerinnen und Schüler eine individuell gewichtete Bilingualität erreichen. Mit einer vertieften sprachlichen Kompetenz in beiden Sprachmodi können sie diese sicher und flexibel in unterschiedlichen Alltagskontexten einsetzen, um so zu partizipieren. Gleichzeitig werden sie durch die Rollenvorbilder in ihrem interkulturellen Verständnis, ihrer Offenheit und Toleranz gefördert. So werden die Schülerinnen und Schüler auf eine globalisierte Lebens- und Arbeitswelt vorbereitet, in der Mehrsprachigkeit und kulturelle Vielfalt zentrale Schlüsselqualifikationen darstellen.
Lernen in der passenden Sprache
Ein wesentlicher Entwicklungsschritt liegt in der stärkeren Orientierung an der individuellen Sprach-Lernpräferenz. Entscheidend ist nicht der Hörstatus, sondern die Frage, in welcher Sprache ein Kind am besten lernen kann.
Darauf aufbauend entstehen zwei Unterrichtsausrichtungen:
- Gebärdensprachorientierte Klassen, in denen DSGS die zentrale Unterrichtssprache ist und Lernen vorwiegend visuell erfolgt
- Lautsprachorientierte Klassen, in denen die gesprochene Sprache mit unterstützenden Gebärden im Vordergrund steht
Unterricht, der Sprache und Fachlernen verbindet
Unterricht an der SGSZ ist immer auch Sprachunterricht. Fachliche Inhalte werden gezielt sprachlich erschlossen, sodass Lernen und Sprachentwicklung ineinandergreifen. Jede Unterrichtseinheit verfolgt deshalb neben fachlichen auch sprachliche Ziele.
Die Schülerinnen und Schüler lernen so nicht nur Inhalte, sondern auch, wie Sprache funktioniert – und wie sie diese aktiv nutzen können.
Teamteaching als zentrales Element
Ein besonderes Merkmal des Konzepts ist das enge Zusammenspiel von hörenden Lehrpersonen und Gebärdensprachlehrer:innen. Im Teamteaching gestalten sie den Unterricht gemeinsam und bringen unterschiedliche sprachliche und kulturelle Perspektiven ein.
So wird Unterricht nicht nur effektiver, sondern auch sozial und kulturell bereichernd.
Eine gelebte bilinguale Schulkultur
Bilingualität zeigt sich nicht nur im Unterricht, sondern im gesamten Schulalltag. Kommunikation, Materialien und gemeinsame Aktivitäten sind so gestaltet, dass beide Sprachen sichtbar und erlebbar sind. Die Schule wird damit zu einem Ort, an dem sprachliche Vielfalt selbstverständlich ist und aktiv gelebt wird.
Das Konzept versteht sich als Entwicklungsschritt. Es wird schrittweise umgesetzt, erprobt und weiterentwickelt. Der Start dieser Umsetzung wird auf das Schuljahr 2026/27mit einer gebärdensprachorientierten Klasse realisiert.
Im Mittelpunkt steht dabei immer das gleiche Ziel: ein Lernumfeld zu schaffen, das Vielfalt als Stärke nutzt und allen Schülerinnen und Schülern echte Bildungschancen eröffnet.
Fragen zum Konzept gerne an: bilingual_at_zgsz.ch
Hier findet sich das Dokument "Bilinguales Modell an der SGSZ" mit Visualisierung.